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Wenn sie sich nicht so sehr hassen würden, müssten sie sich eigentlich hervorragend verstehen: Neonazis und Islamisten hängen zwar zwei scheinbar verschiedenen Ideologien an, sind sich aber viel ähnlicher als sie selbst denken – und das nicht nur in ihrer fragwürdigen Obsession mit Kopf- und Gesichtsbehaarung.

Sie sind Feinde der offenen Gesellschaft

Islamisten und Neonazis lehnen Menschenrechte, den Individualismus, die liberale Demokratie und die Verfassung ab. Sie grenzen Andersdenkende und Andersgläubige aus und schrecken beim Kampf für das Kalifat oder für die Reinheit der Volksgemeinschaft auch vor Gewalt nicht zurück. Das macht sie zu Feinden der offenen Gesellschaft, die wir nicht tolerieren dürfen.

Sie sehnen sich nach einem totalitären Staat

Die einen wollen ihren Staat auf der einzig wahren Auslegung des Koran gründen, die anderen auf einer ethnischen Homogenität. Beide sehnen sich nach einem diktatorischen und totalitären Staat, der sein strenges Regelwerk mit äußerster Brutalität durchsetzt. Am besten noch mit großem Führer und Personenkult – der darf dann Abu Bakr al-Baghdadi oder eben Adolf Hitler heißen.

Sie verbreiten Terror

Nicht nur in ihren Zielen, auch in ihren Methoden gleichen sich Fundamentalisten und Faschisten. In den vergangenen Jahren musste Europa Terrorismus aus beiden Lagern erfahren: Den Massenmord des rechtsterroristischen und muslimfeindlichen Norwegers Anders Behring Breivik und die fremdenfeindliche Mordserie des NSU. Ebenso wie die vielen Anschläge des Islamischen Staates in Paris, London oder Berlin. Im US-amerikanischen Charlottesville raste im vergangenen Jahr ein Rassist mit seinem Auto in eine Menschenmenge – eine „Strategie“, die wir von islamistischen Anschlägen in Nizza, London, Barcelona oder Berlin kennen.

Sie hängen veralteten Geschlechterrollen nach

Ob in der Welt des Nationalsozialismus oder in der Welt des Salafismus: Frauen haben sich unterzuordnen. Die Emanzipation der Frau (und die Ehe für alle) wird abgelehnt. Bei den Nazis hat die Frau primär für den arischen Nachwuchs zu sorgen. Den Islamistinnen droht zudem noch Verschleierungs-Zwang, Zwangsheirat oder im schlimmsten Fall ein Selbstmordattentat für den Dschihad. Dass sich heute ausgerechnet die Identitäre Bewegung den Feminismus auf die Fahnen schreibt, ist eine echte Farce.

Sie sind „Verlierer-Ideologien“

Islamisten und Rechtsextreme werben gezielt Jugendliche in der Identitätskrise an. Das Einstiegsalter der Radikalisierung ist in beiden Fällen sehr jung. Strenge Regeln sollen Halt geben, einfache Antworten und Schwarz-Weiß-Denken sollen die quälende Sinnsuche vereinfachen und das Gefühl, Mitglied einer exklusiven Gemeinschaft zu sein, soll das geschwächte Selbstbewusstsein stärken. Dazu wird den Jugendlichen ein leicht verständlicher Sündenbock vorgesetzt: Wahlweise die dekadente westliche Welt oder die Ausländer sind an allem Schuld. Wie austauschbar die Ideologien in einer solchen Extremisierungs-Biographie manchmal sein können, zeigt der Fall von Sascha L. Der 27-Jährige hatte sich früher als Nationalsozialist identifiziert, war dann zum Islam konvertiert, radikalisierte sich und wurde im vergangenen Jahr festgenommen, weil er Bomben für den Islamischen Staat gebaut hatte.

Sie hassen Juden

Neonazis und Islamisten haben in Israel und „den Juden“ einen gemeinsamen Feind. Beide verbindet ein Hang zu antisemitischen Verschwörungstheorien eines alles beherrschenden „Weltjudentums“. Der Holocaust wird von Neonazis und Islamisten entweder in seinen Ausmaßen relativiert oder gänzlich geleugnet. Besonders in Frankreich nehmen die islamistisch motivierten antisemitischen Übergriffe in letzter Zeit in besorgniserregendem Maße zu.

Sie profitieren voneinander

Islamisten und Neo-Nazis unterstützen sich gegenseitig, ohne es zu merken. Der Terror des IS in Europa lässt immer mehr Menschen glauben, sie müssten sich vor einer „Islamisierung des Abendlandes“ fürchten und macht sie umso empfänglicher für rechtsradikales Gedankengut. Gleichzeitig stärkt der Zuwachs der Rechtspopulisten in Europa das Gefühl vieler junger Muslime, ausgegrenzt zu werden. Das macht sie anfälliger für eine Identitätssuche im radikalen Glauben.

Wenn sich also gewaltbereite Rechtsradikale und Fundamentalisten auf einer Demonstration begegnen – sie müssten sich eigentlich dankbar sein. Denn ein besseres Recruiting könnte ihnen die Gegenseite nicht bieten. So schüren beide Parteien denselben Konflikt und wissen gar nicht, wie sehr sie dabei ihr Hass vereint. Doch das lehrt schon die gemeinsame Geschichte: Die 1928 in Ägypten gegründete islamistische Organisation der „Muslimbrüder“ gingen einen engen Pakt mit den Nationalsozialisten ein. Und 1941 empfing Hitler persönlich den Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, in Berlin, um mit ihm die „kompromisslose Bekämpfung der Juden“ zu planen.